Habemus nomina - Kommentar zu den Nominierungen 2018

gepostet von Oliver am 14.05.2018 | 20:15:14 Uhr

Da sind sie also, die heiß ersehnten Listen mit den Nominierten zu den diesjährigen Spielepreisen der Jury „Spiel des Jahres“. Auf diesen Listen finden sich von der Szene erwartete Titel ebenso, wie Unerwartetes und Überraschendes. Ebenfalls wurden bereits Minuten nach Veröffentlichung der Titel auch wieder Stimmen in den sozialen Netzwerken laut, die Jury hätte XY nicht beachtet oder hätte XY unbedingt beachten müssen. Zurecht? Nein! Viele dieser öffentlichen Forderungen und Anprangerungen beruhen meiner Meinung nach auf persönliche Vorlieben einzelner und sind somit nicht repräsentativ, geschweige denn bindend für die Jury. Aber damit muss und kann die Jury bestimmt gut leben - wie wir ja unlängst von Tom Felber lesen konnten („10 untrügliche Zeichen dafür, dass du nicht (mehr) zur Zielgruppe von „Spiel des Jahres“ gehörst“ - Link: http://spieldesjahres.com/de/die-10-anzeichen ) oder wie sagt Miss Sophie so schön: „Same procedure as EVERY Year!“. Auch, wenn sich die Jury manchmal wie das Tigerfell fühlen muss.
 
Jetzt aber mein alphabetischer Blick auf die nominierten und empfohlenen Titel 2018.
 
Zum Spiel des Jahres 2018 sind nominiert:
 
Azul von Michael Kiesling, Luxor von Rüdiger Dorn und The Mind von Wolfgang Warsch.
 
Eine, wie ich finde sehr gute Wahl, auch wenn ich persönlich ein paar Titel zwischen Nominierungsliste und Empfehlungsliste, rangiert hätte. Alle drei Titel haben eines gemeinsam - sie haben eine geringe Einstiegshürde und sind schnell erlernbar. Hinzu kommt - Achtung böses Wort - ein „hoher Aufforderungscharakter“ und die Möglichkeit, nicht nur aus dem Bauch heraus zu spielen. Ich mag alle drei Spiele sehr und würde keine Partie ablehnen. Müsste ich jedes der drei Spiele mit wenigen Worten beschreiben, so würde ich mich dabei auf das reine Spielgefühl beschränken. Dies wäre bei The Mind das außergewöhnliche Erlebnis, welches uns hier geboten wird und bei Azul das einladende Spielmaterial, das Lust macht zu spielen. Luxor kommt ebenfalls mit sehr schönem und vor Allem großen Material daher, was sich ebenfalls positiv auf das Spielgefühl auswirkt.
 
Aber auch der Blick zu den Spielen auf der Empfehlungsliste des roten Pöppels zeigt, das sich dort einige Titel tummeln, auf die die genannten Eigenschaften ebenfalls zutreffen.
 
5-Minute Dungeon (Kosmos)
Facecards (Ravensburger)
Majesty (Hans im Glück)
Memoarrr! (Edition Spielwiese)
Santorini (Spin Masters)
Woodlands (Ravensburger)
 
Sie alle (mit Ausnahme von Woodlands, das habe ich leider bisher nicht gespielt) sind ebenfalls gute Spiele, die den Gedanken hinter dem roten Pöppel perfekt wiedergeben. Darunter mit Majesty und Memoarrr! Auch zwei, die ich auch gerne auf der Nominierungsliste gesehen hätte. Der Jahrgang im roten Bereich ist wohl einfach zu gut.
 
Gilt da auch im grauen Bereich, beim Kennerspiel des Jahres? Hier sind folgende Spiele nominiert:
 
Die Quacksalber von Quedlinburg und Ganz schön clever, beide von Wolfgang Warsch sowie Heaven & Ale vom Autorenduo Michael Kiesling/Andreas Schmidt. Toll! Zwar sehe ich Heaven & Ale eher im ganz gehobenen grauen Bereich, an der Grenze zum Expertenspiel, die beiden anderen eher ganz weit unten im grauen Bereich. Aber, und jetzt kommt der Zeigefinger, auch wenn ich Heaven & Ale an sich für ein tolles, anspruchsvolles Spiel halte, finde ich es schade, dass das Thema im Spiel leider nicht rüber kommt. In keiner meiner Runden benutzten wir das Vokabular des Spiels. Wir sprachen alle nur von rot, blau, gelb, usw. - Schade.
 
Zu den beiden empfohlenen Spielen kann und will ich relativ wenig sagen. Klong! (Schwerkraft) Hat mir persönlich nicht gefallen, Pioneers (Queen Games) liegt hier, ist aber noch unbespielt (Schande über mich). Daher kann und will ich die beiden einfach mal abhaken. und was hat mir gefehlt? Ganz klar: Rajas of the Ganges (Inka & Markus Brand)
 
Kommen wir zur dritten und letzten Kategorie, dem Kinderspiel des Jahres 2018.
 
Hier sind nominiert:
 
Emojito von Urtis Šulinskas (hat glaube ich nichts mit Mojito zu tun), Funkelschatz von Lena und Günter Burkhard und Panic Mansion von Asger Sams Granerud und Daniel Skjold Pedersen.
 
Oha! Alles Titel, die wir so gar nicht auf dem Schirm hatten und bis dato auch nicht gespielt haben. Darum können wir dazu rein gar nichts sagen. Höchstens über das was diese Spiele gemeinsam haben. Sie sind nicht für Kinder unter 5 Jahren geeignet. Dies trifft im Übrigen auch auf die Spiele der Empfehlungsliste zu. Aber warum? Wie schon in den vergangenen Jahren, fragen wir uns, warum so selten Titel für die Altersgruppe 3+ auftauchen. Da gibt es doch auch richtig gute Spiele. An dieser Stelle möchten wir unseren Geheimfavorit „Fred im Beet“ nennen. Nur mal so, damit auch wir etwas entgegen der Jurymeinung gesagt haben.
 
Der Vollständigkeit halber, hier noch die Empfehlungsliste für die Kategorie Kinderspiel des Jahres:
 
Die Legende des Wendigo (Scorpion Masque)
Dino World (Haba)
Rhino Hero Super Battle (Haba)
SOS Dino (Loki)
Speed Colors (Game Factory)
 
Wie schon erwähnt, haben wir bisher keines dieser Spiele gespielt oder angeschaut. Aber wir werden das jetzt nachholen. Versprochen.
 
So, das war‘s, was die Jury uns heute präsentiert hat, oder? Nein? Stimmt, da fehlt noch eins. 2018 gibt es wieder einen Jury Sonderpreis. Dieser geht an das Spiel Pandemic Legacy Season 2 von Matt Leacock und Rob Daviau. Die Jury würdigt mit diesem Sonderpreis ein „geniales Spielprinzip auf Top Niveau“. Da mich bisher Pandemie thematisch aber nicht abholen konnte, kann ich nichts dazu sagen. Nur so viel, alle in meinen Spielgruppen, die das Spiel kennen, sind voller Begeisterung. Vielleicht muss ich es doch mal spielen.
 
 
In diesem Sinne, spielt die Nominierten, bis es nach der Preisverleihung heißt „Wer waren nochmal die Nominierten?“ Der aktuelle Jahrgang, vor allem im roten Bereich, bietet so viele Spiele, so viel Abwechslung und so viel Qualität, da findet bestimmt jeder etwas für seinen Geschmack.
 


Ein Kommentar von: Oliver Sack, SPIELEVATER, 14.05.2018


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